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Usedom Kurier - Insel-Zeitung
Artikel vom 24.10.2011

AUSSTELLUNG_FARBMEER
Roland Beier nutzt Sand, Blattgold und Wachs für seine Malerei

Roland Beier erklärt den Besuchern seiner Ausstellung in Heringsdorf die Komposition eines seiner Bilder. FOTO: Dietmar Pühler/ www.presse-usedom.de

"Meinen Bruder hat man ans Klavier gesetzt - er wurde Musiker. Bei mir hat das nicht geklappt, ich wurde Maler". So zitierte Karin Lehmann, Hausherrin in der Heringsdorfer "Villa Irmgard", den Künstler Roland Beier. Von ihm ist noch bis zum 20. November eine Retrospektive seines Schaffens der vergangenen zehn Jahre zu sehen. Rund 60 Exponate von der Minisandburg über Kleinstbilder bis hin zu größeren Formaten wie dem Bild "In Giverny bei Monet" sind über die vier Räume der "Villa Irmgard" verteilt.

Die Maltechnik des Berliners beschrieb die stellvertretende Kurdirektorin so: "Die großen Formate legt Roland Beier beim Malen vor sich auf den Boden und arbeitet auf der Leinwand." Dabei verwendet er Naturmaterialien wie Sand, Putz und Lehmerde mit Zusatz von Bindemitteln und Spachtelmasse. Aber auch Blattgold, verrostetes Blech und Wachs finden Verwendung bei Beiers Collagen. Karin Lehmann nannte die ausgestellten Werke "eine glückliche Malerei". Dahinter stecke aber eine enorme, fast ungewollte Tiefe.

Gern greift Beier auch die Musik als Thema auf. So ist in Heringsdorf ein Bild "Zu Vivaldis Vier Jahreszeiten" zu sehen, Studien zu Erik Satie sowie zu Stücken des Pianisten Keith Jarrett. So wie der Maler mit der Musik, beschäftigt sich auch die Musik mit seiner künstlerischen Arbeit. Das Gitarrenduo Charlie Eitner und Ulrich Maria Kellner ist schon seit zwei Jahren freundschaftlich mit Roland Beier verbunden. Die Beiden begleiteten schon so manche Vernissage mit Improvisationen zu seinen Bildtiteln. So auch in Heringsdorf, wo sie sich unter anderem von den Bildern "In Giverny bei Monet" und "Begegnung" inspirieren ließen.

Eitner & Kellner geben am kommenden Donnerstag um 20 Uhr in der "Villa Irmgard" ein Sonderkonzert anlässlich der Ausstellung "Farbmeer". Sie spielen dann in Anwesenheit des Künstlers Kompositionen zu Malerei und Grafik von Roland Beier.


 



 

Eine kleine Auswahl der gezeigten Arbeiten:


 



 

Fragiles Szenario_2011
30x30 cm, Sand/Spachtelmasse,Astgabel/Blattgold, Wachs,Tusche,
Acryl auf Leinwand


 

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You let me into your garden_2010
38X59, Collage/Acryl auf Sandspachtelmischung, Büttenpapier


 



 

Zu Vivaldis "Die vier Jahreszeiten"_2010
70x100 cm, Sand/Spachtelmasse, Acryl, Blattgold auf Leinwand


 



 

Et voila!_2011
12x49 cm, Sand/Kleister, Rosteisenblech/Kupferpatina, Blattgold,
Acryl auf Büttenpapier


 



 

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Studien aus der Edition Goldstück_2010/11
5x5 cm, Acryl auf Spachtelmischung, Blattgold, Büttenpapier
(alle im Rahmen)


 



 

Sphäre 1_Japanische Impressionen_2010
20x27 cm_Acryl auf Sandspachtelmischung_Büttepapaier


 



 

Sphäre 2_Japanische Impressionen_2010
20x27 cm_Acryl auf Sandspachtelmischung_Büttepapaier


 



 

Annäherung an Keith Jarrett_Pianoimprovisationen_2009/10
100x120 cm, Leinwand, Sand/Spachtelmasse, Acryl auf Leinwand


 



 

Sizilanische Wanderung_2011
30x30 cm, Sand/Spachtelmasse, Rosteisenblech, Acryauf Leinwand


 



 

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Wasserzeichen (5 Sandburgen)_16x19x14 cm
_Sand/Spachtelmasse, Acryl, Tusche, Objekte (Porzellan, Plast, Kupferblech, Donnerkeile)_2010


 



 

Darüberhinaus_30x30x4 cm_Leinwand_Putz/Spachtelmasse, Acryl, Wachs_2009


 

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Gusto_30x30x4 cm_Leinwand_Sand/Spachtelmasse, Erde, Acryl_2009


 



 

Traumwäscherei_30x30 cm,_Leinwand_ Sand/Spachtelmasse, Acryl_2003


 



 

Bald hier, bald dort (Landschaft)_30x30x4 cm_Leinwand_Sand/Spachtelmasse, Acryl_2005/6


 

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Roland Beier feat. H. R. Beier
F A R B M E E R_Museum Villa Irmgard / Heringsdorf_21.10.-20.11.2011
Malerei / Druckgrafik / Objekte

Die großen Formate legt Roland Beier beim Malen vor sich auf den Boden und arbeitet auf der Leinwand mit Naturmaterialien wie Sand, Putz und Lehmerde mit Zusatz von Bindemitteln und Spachtelmasse.
Aber auch Blattgold, verrostetes Blech und Wachs werden als Material-Collage auf diesen Untergrund zu vorwiegend verwendeten Acrylfarben eingesetzt. Er dreht die Leinwand während des Malprozesses bis sich in der Verdichtung eine Bildidee abzeichnet, welche aber abstrakt sein und bleiben muss. Die Spuren, welche er in den weichen, noch nicht trockenen Untergrund kratzt, erzählen Geschichten vom Entstehungsprozess - ein teilweise fast alchemistisches Arbeiten. Es ist ein Wechselspiel von Formverdichtung und Zeichen finden, in das aber immer auch der Zufall eingeladen wird, denn das Unkontrollierbare und der Zufall werden zur gewollten Möglichkeit. Er malt, übermalt, wäscht und schabt
wieder ab, kratzt aus, schindet die Leinwand. Diese Oberflächen haben eine sinnliche Komponente. Manche seiner großformatigen Bilder scheinen etwas „erlitten“ zu haben.

Verschiedene Ebenen überlagern sich, geben den Bildern räumliche Tiefe und lassen ahnen, was sich unter der Oberfläche verbirgt. Strukturen auf der Fläche werden zu plastischen Gebilden und so haben viele Bilder eine ausgesprochen plastische Oberfläche, welche in einem oft langwierigen Prozess von Hinzufügen und Wegnehmen entsteht. Durch Mehrschichtigkeit und stetes „Übermalen“ der vorherigen Schichten bekommen einige Bilder eine Transparenz, als ob es ein Dahinter gibt – sanft gesetzte Schichten und wieder verwischte Spuren wechseln mit spontanen Kratzern, wie bei den Bildern: „Pilgrim“, „Darüber hinaus, „Bald hier, bald dort“, und „In Giverny bei Monet“ in dieser Ausstellung.

Die Titel sind Ausdruck der Assoziationen des Künstlers während des meist unter ausgewählter Musik stattfindendem Malprozesses, aber sie entstehen auch schon mit dem ihm eigenem zweideutigem Humor im nach hinein wie bei „Traumwäscherei“ und „Schutzengel“ oder „REM“.
So ermuntert Beier die Betrachter seiner Bilder, die eigene Assoziationskraft zu entfalten. Mitunter hat man möglicherweise eine andere Assoziation, als der Titel und der Künstler. Im Idealfall begegnet sich der Betrachter selbst. Es kann auch vorkommen, dass er später einen Titel ändert, wenn das Bild in einem anderen Kontext ausgestellt wird.
Manche Bilder erschließen sich auch erst auf den zweiten Blick. Es sind Bilder aus dem „Ich“ mit dem Eindruck von fenstergleichen Bildern und einem Ausblick in eine poesievolle Landschaft.

Ein neues Thema ist die Auseinandersetzung mit der Musik des Ausnahmeimprovisationspianisten Keith Jarrett, wobei es scheint, als hätte ein Dirigent mit seinem Taktstock den Rhythmus der Linien und Strukturen auf dem Untergrund hinterlassen. Neue Bilder entstehen auch durch Übermalung vorheriger Bilder, bei denen die alten Strukturen durchscheinen oder noch spürbar sind.
Immer wieder gibt auch die impressionistische Klaviermusik von Erik Satie Anlass für Bildfindungen.

Kleine 5 x 5 cm Ideenstudien bilden teilweise die Grundlage für eine Folge von verschiedenen größeren Formaten. Diese abstrakten Miniaturen besitzen in ihrer Dichte eine eigene reizvolle Poesie wie auch die neuen übermalten Duckgrafiken, wo sich die Grenze zwischen Druckgrafik und Malerei fast auflöst.

Die Objekte, die Backsteine und Schalen sind spannungsvolle Arrangements durch unbefangene Experimentierfreude entstanden und ein Versuch die zweidimensionale Fläche zu verlassen.
Extra für die vorjährige Ausstellung in Warnemünde entstanden und auch zu Heringsdorf passend, sind die 5 skurrilen Objekte „Wasserzeichen“ - an wie von kreativer Kinderhand gebaute kleine Sandburgen am Strand erinnernde spielerisch-heitere Assemblagen. Da wird der Kinder- und Schulbuchillustrator und Cartoonist sichtbar, aber das ist eine ganz andere Seite in Beiers vielseitigen künstlerischen Schaffen.....
www.rolanbeiergrafik.de